Von Dach bis Keller: Formen des Urban Farming

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Urban Farming ist ein enorm vielseitiges Phänomen. Ob auf Dächern, Balkonen, in Wohnungen, ja sogar in Kellern und auf Flüssen – die einzige Grenze der Einsatzmöglichkeiten des städtischen Gärtnerns scheint derzeit unsere Vorstellungskraft zu sein.

Diese Bandbreite an Umsetzungsformen bedeutet auch, dass jeder und jede die Möglichkeit hat, selbst Pflanzen in der Stadt zu züchten – egal, ob Ihr über ein kleines WG-Zimmer oder einen eigenen Schlosspark verfügt.

In diesem Blog-Beitrag möchten wir Euch die wichtigsten Ausprägungen des Urban Farmings kurz vorstellen. Zu jedem einzelnen wird noch ein eigener, ausführlicher Artikel folgen.

Indoor Farming

Kräuter am Fenster
Kräuter im Fenster – die wohl einfachste Form des Urban Farmings – © Jess Pac / Flickr

Indoor (=Innenraum) Farming ist eine der spannendsten Möglichkeiten, die Versorgung mit Obst und Gemüse in die eigene Hand zu nehmen. Die Tatsache, dass Wohnungen in der Regel ohnehin beheizt sind, macht den Anbau das ganze Jahr hindurch möglich und sehr viel effizienter als eigens beheizte Glashäuser.

Das Indoor Farming beginnt schon bei den Kräutertöpfchen am Fensterbrett, die eine tolle, frische (und langfristig gesehen auch günstigere) Alternative zu den meist eher traurig aussehenden Angeboten aus dem Supermarkt darstellen. Auch „Micro-Greens“ oder Sprossen stellen einen guten Einstieg in das Urban Gardening dar.

Wer einen Schritt weitergehen möchte, kann mithilfe von LED-Lampen im Abstellraum eine Salatzucht eröffnen oder das Fensterbrett mittels Vertical Farmings noch viel effizienter nutzen.

Backyard

Nicht jeder hat das Glück, über einen eigenen Garten oder einen Innenhof in der Stadt zu verfügen. Und die, die einen haben, nützen ihn oft „nur“ als Blumenbeet oder Liegewiese. Dabei kann schon ein sehr kleines Gemüsebeet beachtliche Erträge einbringen. Natürlich ist hier die effiziente Platznutzung – wie ja beim gesamten Thema Urban Farming – eine wichtige Aufgabe.

Rooftopgardening – Tomaten vom Dach

Rooftop Farm London klein-min2
Ein kleiner Dachgarten in London – © David Barrie / Flickr

Im Vergleich anderen Metropolen wie Chicago, Tokio oder HongKong gibt es im deutschsprachigen Raum noch großen Aufholbedarf, was den Nutzpflanzenanbau auf Dächern betrifft. Es gibt zwar z.B. in Wien Gesetze bezüglich der Begrünung von Neubauten, allerdings wird diese „Pflicht“ oft mit einer Wiese am Dach alibihalber erfüllt.

Schade – denn gerade für diejenigen, die über keinen „klassischen“ Garten verfügen, würden die Dächer der Städte ein enormes Platzangebot für die Selbstversorgung bieten. Selbstverständlich sind hier einige Dinge zu beachten, etwa die Statik der Häuser, der Wasserabfluss und der Wind, aber die Vorteile überwiegen eindeutig. So funktionieren etwa Dachgärten im Sommer als Klimaanlage und im Winter als Wärmedämmung. Und die Vorstellung, vor dem Abendessen mal schnell aufs Dach zu gehen, um die Tomaten zu ernten, ist schon eine coole 😉

Community

Dass Urban Farming nicht nur nachhaltig ist, sondern auch ein sehr soziales Hobby, zeigen Gemeinschaftsgärten – auch Nachbarschaftsgärten oder englisch Community Gardens genannt. Hier treffen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, um sich gemeinsam um ihren Garten zu kümmern. Oft werden solche Plätze von den Stadtregierungen zur Verfügung gestellt – beispielsweise im Wiener Währingerpark.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich kenne die wenigsten der anderen Bewohner in meinem Haus – von den Leuten in meiner Straße ganz zu schweigen. Das gemeinsame Gärtnern klingt demnach nach einer sehr interessanten Möglichkeit, das Konzept der Nachbarschaft wieder wichtiger zu machen.

Guerilla Gardening

Salat in der Stadt - Guerilla Gardening
Von Guerilla Gardeners gepflanzter Endiviensalat in Antwerpen, Holland. – © Sebastian Teer Burg / Flickr

Guerilla Gardening bezeichnet die unerlaubte Bepflanzung von Bereichen, die den „Gärtnern“ nicht gehören. Das klingt jetzt aber illegaler als es ist – in der Regel handelt es sich dabei nämlich um Initiativen, die öffentlichen Raum, z.B. Verkehrsinseln, Grünstreifen oder Parks, bepflanzen. Damit soll die Stadt verschönert – und auch ein Zeichen an Stadtverwaltung für sinnvolle Nutzung von freien Flächen gesetzt werden. Die Waffe der Guerilla Gärtner ist dabei oft die sogenannte „Seed Bomb“ – also „Saatbombe“ – mit der man auch schwer erreichbare Grünflächen begrünen kann.

Container Gardening

Container ist englisch für Behälter. Container Gardening bezeichnet also den Anbau von Pflanzen in Gefäßen, z.B. Töpfen. Diese Form ist also streng genommen auch in Verbindung mit anderen hier beschriebenen Methoden zu sehen, z.B. mit Dachgärten oder dem Kräutertopf am Fensterbrett. Container Gardening bietet den Vorteil, unabhängig von klassischen Beeten zu sein, was gerade in der Stadt sehr günstig ist. Die Pflanzen bleiben so mobil und brauchen weniger Platz.

Häufig setzen Urban Farmer Pflanzen in Töpfe ein, um diese am Balkon gedeihen zu lassen. Es überrascht mich immer wieder zu sehen, wie viele Pflanzen sich auf einem Balkon ausgehen.

Gackern am Balkon – Nutztierhaltung in der Stadt

Huhn in der Stadt
Sind Hühner bald schon normaler Teil der Städte? – © fusion-of-horizons / Flickr

Urban Farming muss nicht bei der Zucht von Pflanzen aufhören – auch Nutztiere können in der Stadt gehalten werden! Zugegeben: Hühner am Balkon sind vielleicht ein etwas radikalerer Schritt als die eigene Tomatenzucht. Aber durchaus möglich. Ein gutes Beispiel dafür sind Bienen in Wien: etwa 250 Imker halten 4.000 Bienenvölker in der Stadt. Und produzieren so bis zu 120 Tonnen Honig jährlich.

Die Nutztierhaltung in der Stadt erfordert nicht nur etwas mehr Aufwand und Know-How sondern unterliegt auch weit strengeren gesetzlichen Vorschriften. Im Zweifel am besten beim jeweiligen Veterinäramt nachfragen.

Special

Während einige der hier vorgestellten Formen vielleicht etwas ungewöhnlich anmuten, gibt es immer wieder Projekte, die mich wirklich erstaunen. Sie sind vielleicht nicht immer die effizientesten Systeme, oder die praktischsten, aber sie zeigen auf, wie weit Urban Farming gehen kann und ermutigen uns, auch mal weiter zu denken.

Von der überbauten Autobahn A7 in Hamburg über die erste Urban Farm 33 Meter unter der Erde in einem ehemaligen Weltkriegs-Bunker bis hin zu Unterwassergärten – der Fantasie sind scheinbar keine Grenzen gesetzt.

Und ihr?

Wie ihr seht, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die Stadt zur Pflanzenzucht zu verwenden. Mich würde interessieren: Welche dieser Möglichkeiten verwendet ihr bereits? Welche würdet ihr gerne einmal versuchen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 Quellen:
http://www.guerillagaertner.com/
http://www.biorama.eu/huhn-in-der-stadt/
http://www.iflscience.com/environment/produce-worlds-first-underground-urban-farm-about-hit-shelves
https://extension.illinois.edu/containergardening/welcome.cfm

 

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
Dan

Dan ist 22 und studiert Innovationsmanagement und Produktmarketing an der Austrian Marketing University in Wieselburg. Er wohnt mit seiner Freundin Lisi im 18. Bezirk in Wien.

Alle Beiträge von: Dan

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.