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Farm der Tiere oder eine Farm für Tiere

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Wie die Kombination aus Vertical Farming und einem Zoo zunächst zu einer idealen Werbefläche, schlussendlich aber zu einer erst kürzlich gescheiterten Finanzierung auf Kickstarter geworden ist.

Das grundsätzlich der Einsatz von Vertical Farming schier mannigfaltig ist, ist ja nichts Neues. Menschen bauen in unterschiedlichen Behältern oder mit Hilfe von Geräten ihr frisches Obst oder Gemüse an. Es sind aber nicht nur Menschen, die auch zwangsläufig davon profitieren. Es können auch Tiere sein, die Nutznießer der globalen Bewegung des Urban Farming sind. Damit sind in erster Linie keine Krähen gemeint, die sich über Stadtgärten hermachen, sondern die Versorgung der Tiere eines englischen Zoos. Die Rede ist vom Paignton Zoo im Südwesten Englands. Was diesen Zoo so besonders macht, ist, dass jene Tiere, die mit frischem Grün gefüttert werden, welches sie seit dem Jahr 2009 aus dem Zoo direkt erhalten. Die Anbaufläche ist ein 100 Quadratmeter großes, früheres Elefantengehege, welches mit einer drei Meter hohen Vertical Farming Anlage der texanischen Firma Valcent – VertiCrop ausgestattet ist.

Wie funktioniert das System?

Das System basiert auf erdlosem Anbau –  also hydroponisch. Vorstellen könnt ihr auch das Ganze folgendermaßen. Nehmen wir Joghurttrays aus dem Supermarkt, die üblicherweise aus Karton sind, her. In diesen Trays stecken dann jeweils die einzelnen Joghurtbecher. Den Tray stellt ihr euch nun aus Plastik vor, statt der Becher stellt ihr euch die einzelnen Pflanzen wie Spinat, Senf- bzw. Brunnenkresse und Ruccola, deren Wurzeln in den Tray hängen, in welchem sich die Nährlösung befindet. Bewässert wird diese Konstruktion mit ca. 12.000 Pflanzen mit Regenwasser, welches unterirdisch gesammelt wird und mit Pumpen in die Höhe gelangt. Diese Trays mit jeweils acht Pflanzen werden übereinander in die Konstruktion, welche an ein Regal ohne Bretter erinnert, leicht versetzt eingehängt. Das Problem, das sich nun ergeben könnte ist, dass Pflanzen, die weiter oben wachsen, mehr Licht bekommen, als Pflanzen, die in den unteren Reihen zu finden sind. Gelöst wird das von der Firma dadurch, dass die gesamte Konstruktion wie auf Schienen, die an der Decke befestigt sind, im Kreis fährt. Durch die permanente Bewegung ist eine gleichmäßige Beleuchtung gewährleistet. Diese Bewegung ist allerdings nicht nur notwendig, damit genug Licht auf die Pflanzen trifft, sondern es verstärkt auch noch das Wachstum der Pflanzen.

Was sind die Vorteile dieses Systems?

Es gibt verschiedene Perspektiven, die vom Einsatz dieser Konstruktion profitieren. In erster Linie sind es die Tiere. Der Grund sind nicht nur mehr Vitamine, da das Futter direkt nach der Ernte gefüttert werden kann, sondern auch ein vom Nährwert optimiertes Futter. Enthalten Pflanzen aus konventioneller Landwirtschaft durch den Einsatz von Düngemitteln eine erhöhte Konzentration an Eisen (welche bei den Tieren in der Vergangenheit zu einem schlechten Gebiss und Probleme mit den inneren Organen geführt hat), kann mit dem System, welches die Nährstoffzugabe genau steuern lässt, dieses Problem verhindert werden.

Der Zyklus einer Pflanze beträgt vier Wochen in den lichtreichen Sommermonaten und sechs bis sieben Wochen im Winter. Eine Pflanze kann insgesamt bis zu vier Mal geerntet werden. Drei Mal werden die Blätter abgeschnitten, beim vierten Mal werden auch die Wurzeln an die Tiere verfüttert. Unter diesem Aspekt kann man also auch von einer effizienteren Nutzung von Ressourcen sprechen. Wenn wir schon beim Thema Ressourcenschonung sind: Ein System wie es vom Zoo verwendet wird hat lediglich ein Zehntel des CO2 Ausstoßes, welcher durch eine vergleichbare Menge produzierter Quantität an Gemüse durch konventionelle Landwirtschaft produziert werden würde. Die 100 Quadratmeter produzieren in etwa 100 kg an frischem Salat und Kräutern pro Monat, somit wird diese Fläche zwischen 12 Mal effektiver effizienter genutzt als die herkömmliche Landwirtschaft es kann. Der reduzierte Wasserverbrauch von einem sechzigstel gegenüber auf dem Feld gewachsenem Salat spricht eine ganz klare Sprache für dieses System.

Doch nicht nur ökologisch punktet das System, auch ökonomisch kann der Zoo von vertical farming profitieren. Vergleicht man den Preis, der durchschnittlich für ein Kilogramm „Grünzeug“ ausgegeben wurde so ergibt sich ein beachtliches Einsparungspotential. Wurden früher für einen Kilogramm Gemüse umgerechnet 30$ ausgegeben (inklusive Transport), so sind es heute lediglich 15 Cents. Für den Zoo bedeutet diese Ersparnis eine Reduktion der Futterkosten um insgesamt 10%.

Nachteile dieses Systems

Natürlich sprechen die nackten Zahlen in der Verwendung eine klare Sprache. Das System bringt eine Menge Vorteile, die einen vielleicht vergessen lassen, dass die Errichtung auch mit enormen Kosten verbunden ist. Zum Vergleich: Die Errichtung eines solchen sechs Meter hohen Turms kostet eine Million $. Das Argument, dass sich langfristig durch den verringerten Einsatz von Ressourcen Kosten sparen lassen, reichte für potentielle Investoren auf Kickstarter offensichtlich nicht aus, ihr Geld in das Unternehmen zu investieren, welches letztes Jahr in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Gerade einmal ein Zehntel (10.162 $ CAD) der erwarteten Summe wurden durch die Crowd aufgebracht, damit das Unternehmen, weiter hätte wirtschaften können. Ein nicht verlängerter Mietvertrag zwingt das Unternehmen nun zum Umzug, wofür auch das Kapital gebraucht worden wäre. Seit 6. September 2015 ist die Finanzierungsmöglichkeit über Kickstarter allerdings vorbei. Die Zukunft wird zeigen, ob und in wie weit sich das Unternehmen wieder erholen und somit weiterhin Mensch und Tier mit frischer, lokaler Nahrung versorgen kann.

Quellen:

http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/162383/index.html
https://vimeo.com/groups/focusforwardfilms/videos/51884066
http://thekidshouldseethis.com/post/35447236616
https://www.youtube.com/watch?v=WG4NfRqM41Y
https://www.kickstarter.com/projects/verticrop/verticroptm-the-future-of-urban-farming
http://content.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1934027_1934003_1933961,00.html
http://grow.verticrop.com/vertical-farming/

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Alexander Munda

Alex "Lexi" Munda hasst das Konzept von Tierhaltung, weil er selber so Viech ist - Er lebt eingesperrt bei seiner Freundin, darf nur alle 3 Tage das Haus zum Einkaufen verlassen - aber heimlich am Klo blog schreiben geht noch so grade.

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