Waldeck_Hängende_Gärten_der_Semiramis

Die Babylonischen Gärten oder die hängenden Gärten von Semiramis

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Die Überschrift alleine soll euch zeigen, wie kontrovers die Geschichte der Gärten überliefert ist. Schon die Auffindung der Stelle, wo die sagenumwobenen Gärten sich befunden haben sollen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Grob gesprochen befinden wir uns geografisch im Gebiet des heutigen Irak, zur damaligen Zeit (ca. 700 – 600 v. Chr.) Teil des assyrischen Reichs, vielen von euch sicher auch als Mesopotamien bekannt. Obwohl diese Konstruktion zu den 7 Weltwundern der Antike zu zählen ist, ist selbst deren Erbauer nicht definitiv bestimmbar. Bisher ging die Forschung davon aus, dass König Nebukadnezar die Gärten in Babylon, eine Stadt südlich des heutigen Bagdad, errichten hat lassen. Neueste Erkenntnisse der Forscherin Stephanie Dalley deuten aber darauf hin, dass das legendäre Konstrukt bereits 100 Jahre zuvor, von König Sanherib, weiter nördlich, in der Nähe der Stadt Ninive, gebaut wurde. Gestützt wird diese These von Jason Ur von der Universität Harvard, der mit Hilfe von Satellitenbildern aus den 60er Jahren (ursprünglich wurden diese zu Spionagezwecken angefertigt) das gigantische Kanalsystem nachweisen kann, das für die Bewässerung nötig war. Historisch gesehen wären die Gärten jedenfalls aus zwei Gründen von besonderer Bedeutung:

1) Unglaubliche Dimensionen

Zur Bewässerung der Gärten waren gigantische Aquädukte notwendig, welche in der Menschheitsgeschichte die ersten ihrer Zeit überhaupt darstellen würden. Wir sprechen hier von einem von Ur gefundenen Kanal, der mit ca. von 100 Meter breit, 20 Meter tief und insgesamt 95 Kilometer lang war. Das Gefälle des Kanals lag bei ca. 1 Meter pro Kilometer. Zum leichteren Verständnis: Unsere Donau, gemessen bei Wien ist in etwa 200 Meter breit, maximal 6,30 Meter tief und besitzt ein Gefälle von 46 cm pro Kilometer. Auf seinem Weg musste der Kanal mittels eines Aquäduktes über einen anderen Fluss geleitet werden. Das Jervan-Aquädukt wurde aus insgesamt 2 Millionen Steinblöcken errichtet und hatte eine Gesamthöhe von neun Metern. Zum Vergleich: Die Cheopspyramiden wurden aus drei Millionen Steinblöcken errichtet. Mit diesem Kanal und dem Aquädukt konnte garantiert werden, dass die Gärten mit einer Wassermenge von sagenhaften 300 Tonnen Wasser pro Tag versorgt werden konnten.

Was ich euch bis dato vorenthalten habe, ist die tatsächliche Größe der Gartenanlage. In der antiken Literatur findet sich dazu folgender Hinweis: Der Begriff Pletron. Ein Pletron steht stellvertretend für eine Länge von 123 Metern. Die Gärten waren nach den Überlieferungen quadratisch angelegt, die Seitenlänge betrug ein besagtes Pletron. Nachdem es sich bei dem Begriff der hängenden Gärten eher um einen Übersetzungsfehler gehandelt hat, welcher richtigerweise mit „Terassen-Dachgarten“ übersetzt hätte werden müssen, könnt ihr euch die gesamte Konstruktion wie ein griechisches Theater vorstellen (so wurde es übrigens auch von den antiken Schriftsellern getan). Für die von euch, denen wie mir ein griechisches Theater wenig sagt: stellt euch ein Fußballstadion vor bei dem es statt vieler kleinen Stufen, wenige, dafür aber sehr große, bis zum Stadiondach gibt.

Der zweite Grund, warum die Gärten eine derartig große Bedeutung gehabt haben könnten ist:

2) Unglaubliche Technik

Ich habe euch bereits über die vermutlich ersten Aquädukte der Menschheit berichtet, die nötig waren, die Gärten zu bewässern. Ein vielleicht aber noch viel wesentlicherer Aspekt wird durch die Frage – wie wurden die Terrassen bewässert? – beleuchtet. Pumpen waren zu dieser Zeit noch ein kühner Gedanke, allerdings glaubt die britische Forscherin Dalley darauf eine Antwort gefunden zu haben. Schon wieder ärgere ich euch mit einem Wort, diesmal mit einem Begriff aus der Keilschrift: „Alamittu“. Als kurze Erklärung zur Keilschrift: diese ist eine über 3000 Jahre alte Schrift die mit Metaphern arbeitet. Worte können daher mehrere Begriffe darstellen und es gibt auf der Welt nur eine Handvoll Menschen, die überhaupt in der Lage sind, diese zu entziffern (eine davon ist Stephanie Dalley). Das Wort Alamittu beschreibt eine Pflanze, genauer gesagt eine Art Dattelpalme. Betrachtet man die Form dieses Baumes, so erkennt man ein Spiralmuster am Stamm, ähnlich dem Muster einer Schraube. Diese Konstruktion, die nach der Dattelpalme benannt wurde, dürfte dafür verwendet worden sein, das Wasser vom Boden in die höheren Terrassen zu bewegen. Jene von euch, die geschichtlich versiert sind, erinnern sich, dass so ein Muster eigentlich einen Namen hat: Archimedische Schraube. Nun kommen wir zur eigentlichen technischen Besonderheit: Archimedes wurde erst 400 Jahre später geboren, seine Konstruktion aber offensichtlich fast ein halbes Jahrhundert zuvor erfolgreich angewandt. Offen bleibt, wie diese antiken archimedischen Schrauben betrieben wurden, da Motoren zu dieser Zeit noch nicht erfunden waren (vielleicht überrascht uns in Zukunft aber eine Entdeckung aber auch hier noch, wer weiß).

Ihr seht, es könnte so sein, dass die Gärten von Babylon/Semiramis durchaus in vielerlei Hinsicht die Stunde Null in der Kombination von Stadt und Anbau darstellt. Natürlich ist es mir klar, dass alleine, dass deren Existenz bis dato nicht restlos nachgewiesen werden konnte, wir von einem fragwürdigen Beispiel sprechen, allerdings finde ich die Vorstellung davon so fantastisch, dass ich, für jetzt einmal davon ausgehen möchte. Interessant ist für mich jedenfalls, dass große Teile der alten Stadt Ninive heute noch als Ackerland genutzt werden. Selbst wenn also die Gärten dort nicht gelegen haben, so wird von der dortigen Bevölkerung das Beste aus dem offensichtlich fruchtbaren Boden gemacht: Urban Farming.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
Alexander Munda

Alex "Lexi" Munda hasst das Konzept von Tierhaltung, weil er selber so Viech ist - Er lebt eingesperrt bei seiner Freundin, darf nur alle 3 Tage das Haus zum Einkaufen verlassen - aber heimlich am Klo blog schreiben geht noch so grade.

Alle Beiträge von: Alexander Munda

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.